Warum wir ein Verkehrskonzept Loderhof brauchen

In der Stadtratssitzung vom 26.11.2024 hat die SPD-Fraktion zur Verkehrsentlastung im Stadtteil Loderhof eine Verlängerung der Loderhofstraße zur Schillerstraße beantragt und sich gegen das von uns in 2020 beantragte und 2021 einstimmig im Stadtrat beschlossene, bislang noch nicht auf den Weg gebrachte Verkehrskonzept ausgesprochen. U. a. mit der Begründung eines bereits im Jahre 1992 erstellten Verkehrsgutachtens zum Loderhof. In der Ausschusssitzung vom 13.03.2025 in welcher über zwei Varianten einer zusätzlichen Verkehrsanbindung diskutiert wurde haben wir unsere Forderung erneuert, ein Verkehrsgutachten vor diesen Beschluss zu stellen, sind jedoch mit unserem Änderungsantrag gescheitert. Im folgenden möchten wir unsere Argumente erläutern, warum wir ein solches Gutachten für wichtig halten.

Warum wir ein (neues!) Verkehrsgutachten brauchen

Veränderte Rahmenbedingungen:

Der Antrag der SPD bezieht sich auf ein über 30 Jahre altes Verkehrsgutachten. Das von uns bereits im Jahre 2020 beantragte neue Verkehrskonzept Loderhof wurde in 2021 einstimmig im Ausschuss beschlossen, jedoch trotz mehrerer Rückfragen durch uns noch immer nicht beauftragt.

Verkehrsströme von damals vs. heute:

Das vorliegende Verkehrsgutachten zum Loderhof bezieht sich auf die Verkehrsströme der 1990er Jahre. Seitdem hat sich sehr viel verändert:

  • Der Wegfall der Maxhütte
  • Die Eröffnung des Kauflands als zentraler Einkaufsstandort
  • Die Europastraße im Osten sowie die Umfahrung von Siebeneichen als Zubringer zur B85
  • Neue Wohngebiete in Siebeneichen und Kropfersricht sowie am Loderhof selbst, jedoch an anderen Stellen als im Gutachten aus 1992 vorgesehen
Veraltete Planungsgrundlagen:

Im Gutachten aus 1992 wird auf Wohngebiete südlich der Gerhart-Hauptmann-Straße Bezug genommen, die damals geplant, aber nie realisiert wurden. Eine Annahme des Gutachtens lautete:
„Man wird sicher davon ausgehen können, dass die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner der in der Bauleitplanung ausgewiesenen Wohngebiete sich bezüglich Verkehrsmittelwahl und Verkehrsnachfragebeziehungen in gleicher Weise orientieren werden, wie die jetzigen Bewohner der Bereiche südlich der Bahn.“
Diese Aussage basiert rein auf dem motorisierten Individualverkehr und ist nicht mehr zeitgemäß.

Ziele einer modernen Verkehrspolitik:

Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr: Die heutige Verkehrspolitik sollte darauf abzielen, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und stattdessen Alternativen wie den öffentlichen Nahverkehr, Fahrradwege und sichere Fußwege zu fördern.
Planung auf Basis aktueller Daten: Ein neues, umfassendes Verkehrsgutachten ist erforderlich, das die veränderten Gegebenheiten berücksichtigt und auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit setzt.

Kritik am Antrag

Fehlende Verkehrszahlen

Wie groß ist der Anteil der Autofahrer, die von dieser neuen, durch die Verlängerung der Loderhofstraße zur Schillerstraße geschaffenen Verbindung tatsächlich profitieren würden? Bewohner des Loderhof welche entweder nach Rosenberg, ins dortige Industriegebiet, die alte Straße in Richtung Amberg, oder auf die B85 wollen, oder in die andere Richtung in die Sulzbacher Innenstadt, zum Obi, Handelshof, zur Krötensee-Schule oder zum Autobahnzubringer, werden weiterhin die Goethestraße oder Südstraße benutzen – mit Ausnahme derer, die in unmittelbarer Umgebung des Schillerstraße wohnen. Wie groß dieser Anteil ist kann nur ein neues Verkehrsgutachten aufzeigen.

Kapazität Bahnunterführung – Hitzelmühlweg

Welcher Anteil des Verkehrs, der derzeit über die Goethestraße oder Südstraße geführt wird, könnte überhaupt über den Hitzelmühlweg geführt werden, bevor es dort zu Verkehrsproblemen kommt? Die neuralgischen Stellen:

  • Bahnunterführung zum Hitzelmühlweg
  • Brücke über den Rosenbach (Hitzelmühlweg)
  • Einmündung des Hitzelmühlweg in die Rosenberger Straße

können nur sehr begrenzt zusätzlichen PKW-Verkehr aufnehmen. Zur Kapazitätsbetrachtung muss bekannt sein, zu welchen Tageszeiten derzeit (nicht im Jahre 1992) wie viele Pkw pro Stunde über die Goethestraße oder Südstraße in den Loderhof ein- oder ausfahren, und welcher Anteil davon vom Antrag der SPD profitieren würde. Auch dazu kann nur ein neues Verkehrsgutachten Zahlen liefern.

Unser Fazit

Man kann und muss nicht von vornherein ausschließen, dass eine Verlängerung Schillerstraße-Loderhofstraße im Sinne des Antrags zielführend ist. Genauso gut möglich ist jedoch, dass diese teure Baumaßnahme entweder keine spürbare Entlastung für die Göthestraße und Südstraße bringt, oder aber zu neuen verkehrstechnischen Problemstellen führt. Unabhängig von der Tatsache, dass ein Ausbau, der den motorisierten Verkehr priorisiert, zusätzlichen Verkehr anziehen wird anstatt ihn zu reduzieren:

Bevor man viel Geld für eine Baumaßnahme ausgibt, deren Auswirkung ohne belastbare Verkehrsdaten unvorhersehbar ist, wäre es aus unserer Sicht dringend geboten, deutlich weniger Geld für ein zeitgemäßes Verkehrsgutachten zu investieren. Als Entscheidungsgrundlage nicht nur für die von der SPD-Fraktion beantragte Maßnahme, sondern für ein ganzheitliches Verkehrskonzept für den einwohnerstärksten Stadtteil Sulzbach-Rosenbergs.

Bei unserem monatlichen Treffen zur jeweils folgenden Stadtratssitzung diskutierten wir unter anderem ausführlich zu unserer Haltung zum Antrag der SPD, die über die Verlängerung der Loderhofstraße zur Schillerstraße erhoffte Verkehrsentlastung am Loderhof.